Nachdem mein Vater ein alter Radiobastler war, interessierte mich natürlich dieses Hobby immer schon. Beim Eintritt in die Hitlerjugend sollten wir uns für eine bestimmte Abteilung entscheiden . Ich wählte die Nachrichten HJ. Natürlich war alles damals schon ausgerichtet auf eine spätere einfachere Eingliederung in die Wehrmacht mit eventuellen Vorkenntnissen. So lernten wir in einem Übungsraum Telegrafie (CW), das Morsealphabet mit Hören und Geben. Ein gelbes Lehrbuch „Sammlung Grötsch“ gab es damals auch. Die Handtasten waren mit einstellbarem Druck und musste aus dem Handgelenk heraus betätigt werden. Es gab auch Übungen gegen den Telegrafiekrampf, der damals gefürchtet war. Zum Hören hatte man Kopfhörer. Das Erlernen des Morsealphabets wurde mit „Hilfsworten“ geübt. In so einem Wort galt der Vokal o als „lang“ und damit als Strich, alle anderen Vokale als „kurz“ , damit als Punkt. Für B (-...) lernten wir „Bohnensuppe“ und für C (-.-.) Coburg-Gotha. Später, bei der Vorbereitung auf die Morseprüfung für den Amateurfunk, war diese „Eselsbrücke“ eher hinderlich. Im Gelände mussten wir das Telegrafieren dann an optischen Geräten ( wie bei Marine von Schiff zu Schiff) als Blinkfunk durchführen. Wir hatten damals französische Beutegeräte. Der Strom wurde durch ein Tretaggregat (ähnlich einem aufgebockten Fahrrad) erzeugt. Sonst wurden wir an der Tornistertrage mit Kabeltrommel und Stangen zum Verlegen der Telefonleitungen ausgebildet. 1945 wurde ich dafür in der späteren CSSR eingesetzt. (mehr hier Zeitzeuge)
Nach meiner Lizenz für den Amateurfunk arbeitete ich in CW, denn der technische Aufwand war dort am geringsten. 1965 lernte ich aus dem Ortsverband T13 Lindau einige OM kennen: DJ7EO+ und DJ9BB+ (Peter). Sie hatten zwei Surplus Militärgeräte mit vielen Röhren und einem Diskriminator zum Ansteuern eines Fernschreibers (RTTY). Von ihnen bekam ich diese Geräte und später auch eine LO 15 Maschine ohne Gehäuse. Ich baute einen kleinen fahrbaren Tisch, ein Holzgehäuse mit Plexiglasscheibe und bekam von der Post 1965 die Zusatzgenehmigung zum Betreiben einer RTTY Station. Es gab wenig Stationen on the air und die Maschinen in den USA arbeiteten mit 45 Baud, die LO 15 jedoch mit 50 Baud. Mit dem sogenannten Rangefinder konnte ich zwar etwas die Baudzahl anpassen, aber so richtig klappte es nicht. Als „Teststation“ lief aber praktisch 24 Stunden lang über Tirana in Albanien der 50 Baud Fernschreiber von Peking. Ohne Rücksicht auf das exklusive Amateurband wurde bei 7.080 MHZ der starke Sender ständig in Betrieb gehalten. Die „Leerlaufschleife“ sendete dann „workers of all countries united exclamation“. Weil es im Ferschreiben kein Ausrufezeichen gab, hatte man sich so geholfen. So konnte ich meine Station wenigstens mit 50 Baud testen. Ich baute die Zahnräder aus, übergab sie einem führenden Ingenieur bei F&S , der die passenden Zahnräder berechnete und in Kunststoff herstellte. Alles funktionierte bestens und ich war mit 45 Baud QRV. Am 26./27. 4.1969 wurde der 1. RTTYY WAE Contest gestartet. USA, Amman/Jordanien, Indien und Japan folgten schon nach kurzer Zeit, denn an DL-Stationen in RTTY war man sehr interessiert.
Wolfgang Pünjer, DL8VX, gründete unterstützt von Rupert Mohr, DL3NO, die Deutsche Amateur Fernschreib Gruppe (DAFG). Mitteilungsblätter, ein RTTY Rundspruch und ein jährliches Treffen in Oberursel/Taunus führte die Interessierten zusammen. Hajo Pietsch, DJ6HP, veröffentlichte im Mitteilungsblatt seinen RTTY Converter, den ich sofort nachbaute und auch zur Tagung nach Oberursel mitbrachte. Leider kam es 1985 zur Auflösung der DAFG. Bald gab es aus Amerika von Kantroniks den KAM. Ein Converter, der auch Amtor und Pactor ermöglichte. Mehr und mehr gab es auch, besonders in der Schweiz, Stationen als Mailbox für RTTY. In Nordafrika benutzte ich jahrelang eine solche Mailboxstation in Algerien für Nachrichten, die ich in Amtor, einem fehlerkorrigierenden Code, ablegen konnte. Wir Amateure hatten Mailboxen weltweit, noch ohne Handy und Computer! Alles digital!
Abgelöst wurde diese Zeit dann mit Programmen und der Soundkarte in den Computern, die Fernschreibmaschinen landeten ausgemustert auf dem Schrott.
Es gäbe noch von vielen „Pannen“ und dem Mitschreiben unserer Sendungen bei der Bundeswehr und anderen Diensten zu berichten. Ich hatte sogar einen Besuch von einem „Herren Müller“ aus dem Innenministerium in München wegen einer RTTY Sendung mit DM2BRN, Wolfgang aus Zwickau.