Amateurfunk in den 60er bis 80er Jahren

Am Anfang benutzte ich einen Eigenbau CW-Sender, der bald einem Gelososender mit CW und AM weichen musste. Antennen waren W3DZZ und ein 3elem. Beam von einem amerikanischen OM, der in die USA zurück musste und mir zum Selbstabbau die Antenne schenkte. Amateurfunkgeräte in dieser Zeit waren teuer wegen des schlechten Wechselkurses DM/Dollar. Deswegen konnte ich zuerst nur mit alten Wehrmachtsröhren, ausgeschlachteten Radios und einigen Dioden mit dem Basteln beginnen. Mit Trafos und Gleichrichterröhren musste zuerst eine Stromversorgung sichergestellt werden. Bei alten Wehrmachtsröhren brauchte man entsprechende Batterien für Heizung und Anodenspannung. Meinen ersten rückgekoppelten Empfänger baute ich 1949 in einen alten hölzernen zweistöckigen Malkasten ein. Zur Freude meiner Mitschüler brachte ich diesen Rückkoppler in der Abiklasse mit in den Physikunterricht. Der Physiklehrer musste dann erleben, dass seine vorbereiteten Schwingkreise auf Mittelwelle nicht richtig funktionierten, weil ich dank der „Rückkoppelei“ mit meinem Malkastenempfänger unter der Bank ständig „dazwischenpfeifen“ konnte. Ich habe die Störerei dann erklärt – und mein Lehrer war mir wohlgesonnen, denn die elektromagnetischen Wellen waren damit für alle interessanter geworden.
In Schweinfurt hatten die Amerikaner ein Signal Corps. Wir lizenzierten Funkamateure hatten gute Kontakte zu den OM in dieser Einheit. Sogar Besuche in ihrer Reparaturabteilung in der Kaserne (heute eine Unmöglichkeit) waren damals möglich. Manches Teil wurde bei uns dann „recyled“. Auch OM aus der hiesigen Industrie besorgten ausgediente Teile. Auf Flohmärkten gab es auch noch verwertbaren Schrott. Der Franzis-Verlag lieferte in zwei Büchern von Otto Liemann „Funktechnik ohne Ballast“ und „Fernsehtechnik ohne Ballast“ mir wertvolle Kenntnisse. Die Heftchen der „Radio Praktiker“ Hefte aus dem gleichen Verlag waren preiswert und sehr anschaulich geschrieben. Das Buch "Der Kurzwellen Amateur" von Karl Schultheiß, DL1QK, damals Präsident des DARC, hatte ich mir als Hilfe gekauft. Sonst gab es natürlich viel Literatur in englischer Sprache und unsere amerikanischen OM schenkten uns ihre QRZ und CQ Amateurfunkhefte. In Bamberg gab es als Anlaufstelle noch Hannes Bauer, DL1DX, mit einem guten Reparaturteam (OM Benker und OM Steinhäuser) und einem Katalog mit Bastelmaterial und Funkgeräten. Dank eines Buches aus Amerika „Surplus Schematics Handbook“ reparierte ich alte Geräte, und mit dem BC 603, 20-29 MHZ hatte ich einen FM Empfänger mit einstellbarer Drucktastensteuerung zum Laufen gebracht, der bei Sonnenfleckenmaximum sogar den Taxifunk aus New York empfing. Nachteil war nur sein Gewicht und wie bei allen diesen „unverwüstlichen“ Militärgeräten, dass alle Bauteile mit einem Lack übersprüht waren, der gegen hohe Luftfeuchtigkeit und Erschütterungen resident sein musste. Mit dem BC 348 (950 Khz – 18 Mhz) hatte ich einen guten Empfänger.
Die Bausätze der Firma Heathkit waren damals der Renner. Röhrenvoltmeter, Wobbler, NF-Verstärker waren gefragte Teile. Wieder von zwei OM aus den Staaten erwarb ich unvollendete Bausätze für den SSB Transceiver HW12 (80 m) und dem Marauder (alle damaligen Bänder auf KW). Dem weltweiten Amateurfunk stand nichts mehr im Wege. Eine Eigenbau-Endstufe mit 800 Watt und als Pi Filter mit einer Rollspule auf Keramikkörper lieferte die nötige Power.
Ich pflegte sehr persönliche Verbindungen im Amateurfunk: Der Sohn von W2IBN war als Offizier in Schweinfurt und sein erster Sohn Jimmy musste nach 4 Tagen schon von meiner Station aus seine Großeltern in NY begrüßen. Wir hatten gute Verbindungen von Familie zu Familie. Mit einem katholischen Pater in einer Missions- und Hospitalstation in Äthiopien pflegte ich guten Kontakt. Natürlich konnte er nur funken, wenn das dortige Dieselaggregat Strom lieferte. In Kabul waren damals viele Deutsche aktiv: Ärzte, Schulleiter, Botschaftsangehörige, zwei Kaufleute dabei konnte ich sogar das „Kameltreiberdiplom“ erwerben. In Europa war ich lange in der Nachteulenrunde, Conveniatrunde und bei den RedInk (rote Tinte=Lehrer) OM und XYLs.
Ich mache hier eine Zäsur, denn der Relaisfunk (2m) und der Einzug des Computers ins Shake haben viel verändert. Internet und Handy ließen schnelle Verbindungen zu. Das ist nicht der Untergang vom Amateurfunk, denn unter „mobil“ und „RTTY“ kann man mehr nachlesen. Überall geht es heute „digital“ zu, aber es ist und bleibt dabei: Der erste Digitalfunk ist CW (Telegrafie) gewesen! - und wenn nichts mehr geht, CW klappt dann noch meistens.